Ein Weg, der beim Gehen entsteht
Ein Weg, der beim Gehen entsteht: Adolf-Grimme-Gesamtschule als „Projektschule Diakonisches Lernen“ ausgezeichnet
Begegnung auf Augenhöhe und das Überwinden von Barrieren: Für dieses besondere Engagement wurde die Adolf-Grimme-Gesamtschule (AGG) am vergangenen Dienstag offiziell als „Projektschule Diakonisches Lernen in der ev.-luth. Landeskirche Braunschweig“ ausgezeichnet. Die Urkunde sowie das offizielle Schulschild wurden durch Herrn Stützer, Leiter der ARPM (Arbeitsstelle Religionspädagogik und Medienarbeit) der Landeskirche Braunschweig, feierlich überreicht. Im Zusammenhang mit dieser Auszeichnung erhält die Adolf-Grimme-Gesamtschule jährlich 200 € Förderung zur Durchführung weiterer Projekte im Diakonischen Lernen.
Gelebte Inklusion im Schulalltag
Die Auszeichnung würdigt die intensive Kooperation zwischen der AGG und der Siebenstein-Schule (Lebenshilfe Goslar), deren Kooperationsklasse direkt im Gebäude der Gesamtschule beheimatet ist. Was klein begann, ist längst zu einem festen Bestandteil des Schullebens gewachsen. Maßgeblich gestaltet wird dieses Miteinander durch verschiedene Lehrkräfte unter anderem Bianca Eschemann, Milena Böbel und Nadine Vogler (AGG) sowie Manuela Grenzdörfer und Isabel Berger (Siebenstein-Schule). Ob bei der gemeinsamen Brotzeit, dem leidenschaftlichen Einsatz beim Fußballturnier oder dem kreativen Bootsbau-Projekt – die Schülerinnen und Schüler beider Schulen lernen und leben Seite an Seite.
Projektwoche: „Abenteuer Sinne“ und Gebärdensprache
Passend zur Auszeichnung fand eine Projektwoche mit Sechstklässlern statt. Unter dem Motto „Abenteuer Sinne“ setzten sich die Jugendlichen intensiv mit körperlichen Beeinträchtigungen auseinander. Wie fühlt es sich an, nicht richtig fühlen, sehen, hören oder laufen zu können? Um Barrieren abzubauen, lernten die Kinder die Grundlagen der Gebärdensprache und konnten so die Gäste der Feierstunde – darunter Herrn Kloppenburg und Herrn Stützer – in Gebärdensprache begrüßen.
In seiner Ansprache betonte Herr Stützer anhand des Gleichnisses vom barmherzigen Samariter, dass diakonisches Lernen vor allem die Begegnung auf Augenhöhe bedeutet. Der stellvertretende Schulleiter Herr Manusch unterstrich den offenen Charakter der Kooperation: „Es ist wichtig, dass sich Dinge an unserer Gesamtschule entwickeln können. Ein Weg entsteht beim Gehen.“
Praxistest in der Goslarer Innenstadt
Wie dringend notwendig dieser Weg ist, zeigte ein Praxistest am Mittwoch. Ausgestattet mit Rollstühlen, Blindenstöcken und Gehörschutz testeten die Schüler die Barrierefreiheit der Goslarer Innenstadt. Das Ergebnis war ernüchternd: „Testkäufe“ scheiterten oft schon an Stufen vor den Läden oder zu engen Gängen. Besonders das historische Kopfsteinpflaster und defekte Fahrstühle stellten große Hindernisse dar. „Den Kindern ist erst jetzt aufgefallen, wie schwierig es ist, sich mit Beeinträchtigungen alleine zurechtzufinden und wie viel Hilfe man oft braucht“, resümierten die Beteiligten.
Die Auszeichnung als Projektschule ist für die AGG kein Abschluss, sondern Ansporn. Die Kooperation wird fortgesetzt, um das Miteinander in Oker weiterhin aktiv zu gestalten. Es gibt viele Ideen auf beiden Seiten, die nur darauf warten zu wachsen und umgesetzt werden zu können.